Das Langar

Das von Guru Nanak Dev Ji (1469-1539) eingeführte Langar ist die größte Freiküche der Welt. In diesem speisen alle Menschen, unabhängig von ihrer Kaste, ihrem Geschlecht, ihres sozialen Status und ihrer Religionszugehörigkeit, gemeinsam aus Barmherzigkeit auf dem Boden. Alleine im Harmandir Sahib, in Amritsar, werden tagtäglich Speisen für über 100.000 Besucher zubereitet. Zum gemeinsamen Speisen sitzen alle zusammen in Reihen auf dem Boden. Dieses wird in der Sikhi als Pangat bezeichnet.

Ursprünglich stammt der Begriff von dem Sanskrit Begriff „pankti“, welcher wortwörtlich übersetzt Reihe oder Linie bedeutet.
Somit wird der Begriff der Pangat als ein Synonym für den Langar verwendet. Einer Institution, welche immense Wichtigkeit für den Sikh Glauben mit sich führt.
Es ist üblich, dass die Gäste im Guru ka Langar in einer Pangat nebeneinander sitzen, wenn ihnen von den Sewadaar(freiwillige Helfer) das Essen serviert wird. Die Institution von Guru ka Langar selbst wurde dadurch als Pangat bezeichnet. Ein weiterer Grund für die Popularität des Begriffs ist wahrscheinlich seine alliterative und klangvolle Affinität zu dem Begriff der Sangat.
Wie später in der Sikh-Geschichte „Degh“ (buchstäblich Kessel) für Guru ka Langar stand, weil der Begriff sich mit „Tegh“ (buchstäblich Schwert), der Aufrüstung gegen Ungerechtigkeit?, reimte, tat es nun auch „pangat“, um sich mit dem Wort der „sangat“ zu reimen.

Historisches zum Begriff der Pangat
Die früheste Verwendung von Pangat in der Sikh-Literatur findet sich in den Baladen (Vaaran) von Bhai Gurdas Ji (gest. 1636), wo der Begriff der Pangat mit Sangat übereinstimmt, um eine resonante Wirkung zu erzielen: „hans vansu nihchal mati sangati pangati sathu bananda“ – feste Gläubige des Stammes der Schwäne (der Sikhs) haben in Sangat und Pangat angemessene Gesellschaft geleistet – in der Sangat beten sie zusammen und in der Pangat essen sie zusammen. Guru Amar Das Ji (1479-1574) legte einen besonderen Wert auf die Pangat. Er erwartete, dass jeder Besucher etwas zu essen hatte, bevor er ihn sah/besuchte. Daraus entstand das beliebte Sprichwort: “pahile pangat pachhe sangat” – erst gemeinsam Speisen, dann in der Sangat teilnehmen.

Das Langar
Das 1481 in Kartarpur (heutige Pakistan) eingeführte Langar von Guru Nanak Dev Ji wird als die grüßte Freiküche der Welt bezeichnet. In diesem speisen alle Menschen, unabhängig von ihrer Kaste, ihrem Geschlecht, ihrem sozialen Status und ihrer Religion, gemeinsam aus Barmherzigkeit auf dem Boden. Guru Nanak Dev Ji kämpfte somit gegen die Unterdrückung der Armen, der Frauen und Menschen aus niedrigen Kasten an, denn „ das Licht des Schöpfers residiert in uns allen“ – GGSJ Seite 282.
Ebenso war es ein fundamentales Ziel von Guru Ji die Armut auf dieser Welt zu bekämpfen.
Der Langar setzt somit ein Zeichen für die Gleichheit, Gemeinsamkeit und Einheit der menschlichen Schöpfung.
Weltweit findet jeder Besucher eines Gurdwaras stets Langar vor Ort, aber auch in Krisengebieten oder Gebieten, wo der Hunger droht, befinden sich die Sewadaar (freiwillige Hilfer) stets vor Ort und verteilen das Essen, da es die Aufgabe eines jeden Sikhs ist, sein Mahl mit Bedürftigen zu teilen und stetig zu helfen.

Wie funktioniert das Langar?
Allein im Harmandir Sahib werden tagtäglich Speisen für über 100.000 Besucher zubereitet. Dieses Konzept des Langars wird durch ehrenamtliche Helfer ausgeführt. Tausende von Menschen helfen hier weltweit bei der Zubereitung des Langar, bei dem Servieren des Langars und bei dem Küchendienst.
Nachdem das Essen vorbereitet wurde, wird dieses von den Sewadaar an die Sangat ausgeteilt. Hierfür werden Servier-Präparate? aus Stahl verwendet. Auch die Thaal (große Teller), aus welchen gespeist wird, werden aus Stahl hergestellt. Dies erinnert stets an das natürliche Element der Erde und führt jedermann Barmherzigkeit/Bodenständigkeit vor Augen. Ebenso sind diese auch in ihrer Hygiene sehr unproblematisch zu erhalten und zu pflegen.
Nachdem gespeist wurde werden das Geschirr und die Kochutensilien gespült und gereinigt.
Bei der Zubereitung des Langars sind strenge Hygiene- und Sauberkeitsregeln zu gewährleisten.
Ebenso wird während der Vorbereitung Gurbani rezitiert. Diese spirituelle Aura zeichnet sich demnach auch in dem appetitlichen Essen wieder.

Woraus besteht das Langar?
Der Langar des Gurus ist immer vegetarisch und besteht traditionell aus einfachen, nahrhaften Lebensmitteln. Diese beinhalten Daal (Linsensuppe), welche reich an Proteinen ist, Parshaada (indische Roti), welche aus Vollkornmehl besteht und somit sehr Ballaststoffreich ist und Wasser, das für den Organismus sein eigenes Wunder bewirkt. Diese drei Bestandteile sind die Hauptbestandteile eines jedes Langars. Oftmals kommen auch Reis, Milchreis und weitere Curry-Gemüse dazu, wenn zum Beispiel eine Festigkeit ansteht.